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Zum 25. Todestag von Richard Hofmann

Heute vor einem Vierteljahrhundert verstarb der ehemalige deutsche Rekordnationalspieler und -torjäger Richard Hofmann. Der beliebteste DSC-Fußballer aller Zeiten und ein Idol der Massen wurde in Freital beigesetzt, wo er seinen Lebensabend verbrachte. Ein Nachruf von DSC-Vereinsarchivar Andreas Tschorn.

Man nannte ihn den König. Wo immer er hinkam, verehrte man ihn. Wann immer er gegen den Ball trat, feierte man ihn. Wenn man ihn zum Gegner hatte, fürchtete man ihn: Richard Hofmann war der unumstrittene größte Superstar des deutschen Fußballs. Der am 8. Februar 1906 in Meerane geborene Mittelstürmer hatte 1912 bei der SpVgg 07 Meerane mit dem Fußball spielen begonnen und war 1928 auf Initiative des englischen DSC-Trainers James "Good old Jimmy" Hogan zur Nummer eins des mitteldeutschen Fußballs, zum Dresdner SC gewechselt. "Ein Dickkopf, der weiß, was er will. Wenn Richard einen Ball sieht, ist er nicht mehr zu halten. Wenn er schießt, möchte ich nicht Tormann sein", charakterisierte Hogan seinen größten Star. Richard Hofmann, der sieben Geschwister hatte und durch seine proletarische Herkunft zwangsläufig ein Straßenfußballer im wahrsten Sinne des Wortes war, verfügte über einen gefürchteten knallharten Schuss. Wenn er erst mal abzog, blieb den Torhütern in der Regel keine Abwehrchance mehr. Der Legende nach soll er ganze Tornetze durchschossen haben.

Noch im Meeraner Dress hatte der als hitzköpfig beschriebene Instinktfußballer am 2. Oktober 1927 beim 1:3 gegen Dänemark sein Länderspieldebüt gegeben. Ein Jahr später feierte er während der Olympischen Spiele in Amsterdam mit drei Treffern gegen die Schweiz seinen größten internationalen Triumph, der jedoch durch einen Platzverweis im nächsten Spiel und eine einjährige Länderspiel-Sperre durch den Deutschen Fußball-Bund erheblich getrübt wurde. Richard Hofmann konnte aber schon in seiner ersten Saison im mohnroten DSC-Trikot die Endrunden-Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft feiern. Der nur 1,68 Meter große, beidfüßig schießende Stürmer, passte perfekt in das neuartige "WM-System". "Kanonen-Richard" und "Bomber" nannte man ihn wegen seiner unglaublichen Schusskraft, die ihn auf der zurückhängenden Position nahezu unersetzlich machte.

Ein Reporter vom Länderspiel Deutschland gegen Schweden (3:0) am 23. Juni 1929 in Köln berichtet so: "Die Menge schreit 'Hofmann! Hofmann! Hofmann!' und schon ist der kleine Sachse zur Stelle. Flink legt er sich den Ball zurecht, wartet nicht lange, schießt - und schießt durch die gesamte schwedische Abwehrmauer in die linke Torecke. Das war das längst schon fällige zweite Tor! Da, schon Anstoß - während die Zuschauer noch immer jubeln - und wieder ist es der kleine Dresdner, der mit dem Ball auf das gegnerische Tor jagt. Mit unglaublicher Wucht feuert er ab... 'Tooor!' Die 55000 im Stadion sind wie im Rausch. Das ist ein Fußballer! Ein Prachtkerl, dieser Hofmann! Ach, wenn man doch aufs Spielfeld stürmen könnte, um ihn zu umarmen. Doch was ist das? Kein Tor? 'Abseits!' bedeutet der Schiedsrichter. Aber Richard Hofmann gibt keine Ruhe. Er jagt über den Platz, nimmt Kaufeldt den Ball ab, gibt zu Albrecht, spurtet weiter. Horn hat jetzt das Leder, läßt es uneigennützig zu Hofmann durch. Der Dresdner nimmt den Ball aus der Luft und kanoniert ihn flach in die linke Torecke. 3:0 für Deutschland! Die Menge jubelt, die Menge jauchzt. 'Hofmann! Hofmann!' Nie ist ein Fußballer hier so gefeiert worden. Sechs Tore schoß dieser kleine Gigant, doch nur drei wurden anerkannt. Es war sein Spiel, das Spiel des besten Fußballers, den Deutschland je besessen hatte. Ein großer Techniker, ein unermüdlicher Ballschlepper, eine Schußkanone, wie es sie nur selten, ganz selten gibt. 'Hofmann vor - noch ein Tor!' Hofmann, das Fußballwunder. Was die Schweden können, das wissen wir. Wir wissen, was Schottland, Italien, was die Spieler aus Uruguay können. Aber was der Meeraner Hofmann, der jetzt beim Dresdner SC spielt, kann, das ist einfach phänomenal. Wer hatte den Ball? Hofmann! Wer führte den deutschen Sturm? Hofmann! Wer übertraf sämtliche Deutschen und Schweden an technischem Können? Hofmann! Wer schoß die Tore? Hofmann! Hofmann! Hofmann! Ein prachtvoller Fußballer, dieser Sachse, ein Spieler von solchem Ehrgeiz, von solcher Ausdauer und solcher Schußkraft... es ist kaum zu glauben. Nur wer ihn spielen sah, kann das Können dieses Halblinken ermessen. Sechs Tore schoß der kleine, untersetzte, wendige Mitteldeutsche, eins schöner als das andere, nur drei erkannte der Wiener Schiedsrichter Braun an."

Richard Hofmann war ein Tausendsassa, ein Lebemann, ein Stehaufmännchen, das sich niemals unterkriegen ließ. Im März 1930 verlor er bei einem Autounfall nach einer Faschingsfeier das rechte Ohr. Schon sechs Wochen später stand er beim Länderspiel gegen die Schweiz wieder auf dem Rasen. Die Kopfbinde war fortan sein Markenzeichen. Durch seine lockere und manchmal etwas ungebildet wirkende Art fiel Richard Hofmann oft auf. Einmal entgegnete er dem dänischen König auf dessen Frage nach seinem Befinden im schönsten sächsisch: "Ach, danke, gut, Herr Geenich!" Sein Team-Kamerad Hanne Sobek verpasste ihm daraufhin den Spitznamen "König".

Nach 25 Länderspielen und 24 darin erzielten Toren endete seine internationale Karriere plötzlich im Jahre 1933. Für ganze 3.000 Reichsmark hatte er Werbung für eine Zigaretten-Firma gemachte. Für den amateurgläubigen DFB aber Grund genug, seinen besten Stürmer für immer aus der Nationalelf zu verbannen. "Hofmann frei!" schallte es seitdem bei den Länderspielen durch die Stadien. Nach zwei Meisterschaften und Pokalsiegen mit dem DSC und seinem Karriere-Ende am 31. Dezember 1949 anlässlich des ersten Flutlichtspieles in Deutschland im Dresdner Ostragehege (die SG Friedrichstadt besiegte die DDR-Nationalmannschaft dabei mit 2:0) wurde er Trainer. Weil die DDR-Sportführung das Sportidol Richard Hofmann für Propaganda-Zwecke missbrauchen wollte, zog er sich Anfang der sechziger Jahre allmählich aus der Öffentlichkeit zurück.

Folgende Worte von Richard Hofmann sollte sich jeder junge Kicker zu Herzen nehmen: "Viele der jungen Spieler, die in die erste Mannschaft ihres Vereins aufgerückt sind, zeigen eine Nonchalance sondergleichen. Auf gut deutsch: Sie sind faul und eingebildet. Aus ihnen wird wohl nie etwas werden. Ich selbst war nie der Meinung, ich hätte schon ausgelernt. Ein Sportsmann hört überhaupt nicht auf zu lernen. Junge Burschen müssen sich mit ganzem Herzen der Sache widmen. Sie müssen wissen, für wen sie spielen. Für ihre Gemeinschaft, für ihre Stadt, für ihr Land. Und gibt es mal ein paar Fehler im Spiel, das kann passieren. Doch den letzten Einsatz, den müssen sie immer zeigen!"




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