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Der "schöne Willi": Zum Kopfball nahm er die Mütze ab

Willibald Kreß, langjähriger Torwart des DSC und der deutschen Nationalmannschaft, wäre heute 100 Jahre alt geworden

Dresden. Wenn man sich über die Spieler unterhält, die den Dresdner SC vor über einem halben Jahrhundert zu Ruhm und Ehre führten, fallen vor allem drei Namen: Richard Hofmann, Helmut Schön und: Willibald Kreß. Der "Dresdner Zamora" zählte zu den vier besten Torhütern der Welt und galt aufgrund seines Aussehens auch als "der schöne Willi", als erster "Sonnyboy" des deutschen Fußballs - als Frauenschwarm.

Willibald Kreß, am 13. November 1906 in Frankfurt am Main geboren, schulte seine Reflexe auch im Handball-Tor des DSC und konnte sich kein besseres Training vorstellen. Der ehemalige Nationalspieler und DSC-Meister-Trainer Georg "Schorsch" Köhler nannte Willibald Kreß einen "Jahrhundert-Fußballer, der keinerlei Angst kannte und den Stürmern lehrte, was Verzweiflung ist". 27 Jahre lang spielte Willibald Kreß in der obersten Spielklasse. Es war kein Zufall, dass er schon früh mit dem Fußball in Berührung kam: Lag doch die Wohnung seiner Eltern genau gegenüber dem Sportplatz des FV Amicitia 1901 Frankfurt-Bockenheim, dem späteren SC Rot-Weiß Frankfurt. Dort fing er 1917 an und stand schon als 15-Jähriger im Tor der ersten Mannschaft. Eigentlich wollte er lieber als Mittelstürmer Tore schießen, aber als Torwart war er noch besser. "Keiner arbeitet so sicher mit den Händen, greift so weich nach den Bällen", war Jahre später in einer Zeitung über ihn zu lesen. Einmal musste Willibald Kreß aber gleich neunmal hinter sich greifen: 1931 beim Spiel seines SC Rot-Weiß Frankfurt gegen den DSC. Für ihn mitentscheidend für den Wechsel nach Dresden. 1932 ging er notgedrungen aber erst einmal zum französischen Erstligisten FC Mulhouse, nachdem er vom DFB wegen verbotenem "Berufsspielertums" für ein Jahr vom deutschen Spielbetrieb ausgeschlossen wurde.

Im August 1933 war er wieder in Deutschland, nun in Dresden. 60000 Menschen im Stadion Ostragehege jubelten Willibald Kreß bei seinem ersten Einsatz im DSC-Gehäuse zu. Der Dresdner SC schlug dabei den amtierenden Meister Fortuna Düsseldorf mit 4:1. Zwischen 1934 und 1944 stand er bei 39 Endrundenspielen um die Deutsche Meisterschaft im DSC-Kasten, hatte damit mehr Einsätze als jeder andere DSC-Spieler. Im mohnroten Trikot konnte er zwei Meisterschaften (1943 und 1944) und zwei Pokalsiege (1940 und 1941) feiern.
Willibald Kreß, von Beruf Kaufmännischer Vertreter, absolvierte im Zeitraum von 1929 bis 1934 16 Spiele für die deutsche Nationalmannschaft. Bei der WM 1934 belegte das deutsche Team mit ihm im Tor den dritten Platz. Er spielte auch für Sachsen und später Süddeutschland. 1936 und 1941 gewann er mit der sächsischen Gau-Auswahl den Reichsbundpokal. Dem Drängen der Nazi-Bonzen zum Eintritt in die NSDAP widerstand er ebenso wie alle anderen DSC-Spieler. Ihn und Helmut Schön wollte man sogar in die SS abkommandieren, aber beide Spieler blieben auch hier standhaft. Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft ging er zum FSV Frankfurt 1899 und ließ dort bis 1950 seine aktive Karriere ausklingen.

1948 absolvierte Willibald Kreß an der Kölner Sporthochschule das Sportlehrer-Examen mit der Note "sehr gut", wurde 1949 der erste Verbandstrainer von Hessen und trainierte anschließend vier Jahre lang den FSV Frankfurt. Später saß er beim Wuppertaler SV, bei Wormatia Worms, ab 1961 beim VfB Gießen, bei Eintracht Wetzlar, Eintracht Lollar und beim VfR Lich auf der Trainerbank. Sein speziell entwickeltes Torwart-Training war stark gefragt. Selbst als 71-Jähriger trat er noch als Referent auf. Große Sympathie errang Willi Kreß auch durch seine lockere Art: Seine Präzision im Kopfballspiel - zu gern nahm er seine Mütze ab und köpfte den Ball aus der Gefahrenzone - ist gleichermaßen legendär wie seine Reflexe. Laut Helmut Schön war Willibald Kreß der beste Torhüter, den Deutschland je hatte.

In den 80er Jahren erlitt er einen Schlaganfall, der Lähmungen an der linken Hand nach sich zog. 1983 wurde er bei einem Auto-Unfall verletzt und verlor schließlich seine Frau. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Willibald Kreß in einem Gießener Altersheim.
Wie sein DSC nach der Wende zu neuem Leben erwachte, durfte er leider nicht mehr erleben. Am 27. Januar 1989 verstarb Willibald Kreß in Gießen an den Folgen eines erneuten Schlaganfalls. Dresden war er stets verbunden geblieben. So reiste er unter anderem im Februar 1971 zum 65. Geburtstag von Richard Hofmann in die DDR. Auch heute ist Willibald Kreß beim DSC unvergessen. Am Sonnabend erinnerte die Stadionzeitschrift unter dem Motto "100 Jahre Willi Kreß" an die außergewöhnliche Laufbahn des besten Dresdner Torwarts aller Zeiten. Sein ehemaliger DSC-Kamerad Heinz Schaffer erinnerte sich im Nachruf: "Willi Kreß war ein Tormann, wie es ihn nur alle paar Jahrzehnte gibt."

A. M. Tschorn

Quelle: DNN


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