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Zum 135. Geburtstag von John Cameron

Die am Freitag vor 135 Jahren geborene schottische Fußball-Legende John Cameron war der Missionar des Dresdner Fußballs. DSC-Vereinsarchivar Andreas M. Tschorn konnte aus deutschen und britischen Archivbeständen ein umfangreiches Lebensbild des ersten DSC-Trainers nachzeichnen.

Der Schotte John Cameron, genannt "Jock", wurde am 13. April 1872 in Ayr geboren. Im Team der Ayr Grammer School begann er mit dem Kicken, wurde entdeckt und spielte danach beim Ayr Parkhouse FC. Er war so gut, dass er schließlich vom ältesten schottischen Fußballverein Queen's Park FC unter Vertrag genommen wurde. Im Glasgower Hampden Park entwickelte er sich zum Torjäger erster Güte. Am 28. März 1896 absolvierte er beim 3:3 gegen Irland sein erstes und einziges Länderspiel und verhalf damit Schottland zum Sieg bei der British Home Championship 1896, der alljährlichen Meisterschaft der vier britischen Nationalverbände.

Wenige Monate später ging er zum Everton FC ins englische Liverpool. Sein Debüt feierte er im Oktober 1896 beim 5:0 im Meisterschaftsspiel gegen den Sheffield United FC. Für Everton, mit denen er 1897 das englische Pokalfinale erreichte, absolvierte er in zwei Spielzeiten in der First Division und im FA Cup 48 Spiele und schoss dabei 14 Tore.

Im Mai 1898 unterschrieb er einen vom dortigen Manager Frank Brettell aufgesetzten Vertrag und kickte fortan für den Tottenham Hotspur FC. An der Londoner White Hart Lane kam er bis zu seinem Rücktritt am 16. März 1907 in 293 Spielen zum Einsatz und erzielte dabei 139 Tore. Schon am 17. Februar 1899 beerbte er Frank Brettell und wurde Spielertrainer bei den Spurs. 1900 wurden die sogenannten Lilywhites Meister der Southern Football League, 1904 Meister der Western Football League. Dazwischen wurde 1902 der Sheriff of London Charity Shield Cup gewonnen.

Der größte und sensationellste Erfolg seiner Karriere war aber der Sieg im Finale des FA Cups 1901 gegen den Sheffield United FC. Nachdem die Partie am 20. April 1901 vor 114 815 Zuschauern im Londoner Crystal Palace mit 2:2 nach Verlängerung ausging, gewannen die Spurs das Wiederholungsspiel am 27. April 1901 im Boltoner Burnden Park mit 3:1. John Cameron traf dabei zum 1:1-Ausgleich. Diese Finals hatten schon etwas besonderes an sich, denn nie zuvor sahen über 100 000 Menschen ein Fußballspiel und nie zuvor gewann ein Club außerhalb der Football League den FA Cup. Erst 1908 sollte Tottenham erstklassig spielen. John Cameron hingegen wurde 1907 erster Geschäftsführer der Player's Union of Association Players, die heutige Professional Footballers' Association, der Verband der britischen Profi-Fußballer.

Sein exzellenter Ruf als Stürmerstar und Trainer drang bis ins ferne Dresden. Damals war es noch an der Tagesordnung, dass deutsche Spitzenteams zweistellige Niederlagen gegen Teams von den britischen Inseln einstecken mussten. So war es dann auch beinahe schon sensationell, dass der Dresdner SC ein Freundschaftsspiel gegen den heutigen Premier-League-Club Portsmouth FC im Jahre 1907 nur mit 1:6 verlor und trotz des hohen Ergebnisses durchaus mithalten konnte. Ebenso war es damals in Deutschland noch normal, dass der Mannschaftskapitän auch die Aufstellung bestimmte. Das ein Trainer ein Team entwickeln und formen kann, erkannte man auch beim DSC erst mit der Zeit. Am 1. Mai 1914 trat der Schotte John Cameron seinen Job als erster DSC-Coach an; als erster bezahlter Übungsleiter in Dresden überhaupt.

Aber beim DSC wurde die Rechnung ohne die Obrigkeit gemacht. Als einige Wochen später der Erste Weltkrieg ausbrach, wurden in der Folgezeit sämtliche sich im Deutschen Kaiserreich befindliche Briten in das Kriegsgefangenen-Lager Ruhleben bei Berlin, eine ehemalige Trabrennbahn, gescharrt. Auch der beim DSC so beliebte Trainer John Cameron musste über drei Jahre in Ruhleben ausharren. Unter den bis zu 5 500 Gefangenen waren auch weitere berühmte Fußballer wie Fred Spiksley, Fred Pentland, Samuel Wolstenholme, Stephen Bloomer, Edwin Dutton und John Brearley.

Schon bald entwickelte sich ein von den Deutschen geduldetes sportliches Leben im Lager, den Genfer Konventionen sei Dank. Einen großen Anteil daran hatte auch John Cameron, der die Geschicke der Ruhleben Football Association leitete und zudem Mitglied und erfolgreicher Spieler der Ruhleben Tennis Association war. Manche Fußballspiele im Lager wurden von über 1 000 Menschen gesehen, so auch das Spiel einer England-Auswahl gegen eine von John Cameron als Mannschaftskapitän geleitete Welt-Auswahl am 2. Mai 1915. Seine Mannschaften gewannen u. a. auch gegen das Team von Stephen Bloomer am 3. März 1916 und das Team von John Brearley am 7. Oktober 1916 mit 4:2.

Nach dem Kriegsende wurde John Cameron im August 1918 Trainer des Ayr United FC in seiner schottischen Heimatstadt. Doch schon ein Jahr später, immer noch von seinen Kriegserlebnissen gezeichnet, beendete er seine Trainer-Karriere. John Cameron wurde in den Folgejahren Journalist und seine Fußball-Kolumnen erfreuten sich großer Beliebtheit. Der große John Cameron starb am 20. April 1935 in Glasgow im Alter von 63 Jahren. Dort, wo "Jock" gewirkt hatte, ist er heute noch unvergessen, so auch beim Dresdner SC, wo man ihm die Stadionzeitung zum Heimspiel gegen den SV Einheit Kamenz am 24. März 2007 widmete.




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